Admetos

PRESSESTIMME: Jungfrisches Inszenatorenduo:  Tobias Kratzer und Rainer Sellmaier lieben das Spiel mit den Identitäten und Stilen. So auch im Leipziger "Admetos" 2010 haben sie entspannt aber nachdrücklich ihre soapopera-taugliche Händel-Version durchgesetzt. Frech hat sich Kratzer aus dessen 42 Opern ausgerechnet die Variante des Alcestis-Stoffes herausgesucht, den als nächstes auch Überpapa Konwitschny in der Gluck-Anverwandlung präsentieren wird. Sie haben mit Federico Maria Sardelli selbst einen Alte-Musik-Spezialisten gefunden, der das Gewandhausorchester motiviert, der aber auch zulässt, dass es auf der Bühne einiges an Geräuschentfaltung gibt.

Es quietscht, klingelt, schrill und kracht. Im Stil einer gelungenen Edgar-Wallace-Parodie wird in einer very britischen Schlosshalle die Geschichte von der royalen Gattin, die sich für ihren Mann opfert, als gewitzter Krimi mit doch tödlichem Ausgang erzählt. Das Quintett hält den leicht genommenen Händel eigenartig in der Schwebe, skurril, nicht verjuxt.

Während auf den Opernbühnen allzu viele freudlose Konwitschny-Jungkopisten touren, hat sich der Altmeister eine vielversprechendere Regiezukunft ins eigene Haus geholt. Respekt. (Manuel Brug)


 

Julius Cäsar in Ägypten

PRESSESTIMME: 2019 ist „Julius Caesar in Ägypten“ mit einer Rückkehr von Peter Konwitschny nach Halle verbunden. Der Regie-Altmeister hatte dort schon 1984 mit „Floridante“, 1987 mit „Rinaldo“ und 1990 mit „Tamerlan“ Furore gemacht. Bei den letzten beiden war der Hallenser Helmut Brade schon der Ausstatter.
Gezeigt werden die Mächtigen dieser Welt, die bereit sind, über Leichen zu gehen - und die ehrgeizige Cleopatra, die auch ein Liebesverhältnis eingeht, wenn es ihren Absichten nützt. Konwitschnys Kunst besteht darin, das mit klassischen Theatermitteln so nah heranzuholen, dass man die Oper ganz neu zu sehen meint. Er lässt sogar gegen den Trend in deutscher Sprache singen. Was verblüffend gut funktioniert - auch, weil die Übersetzung von Werner Hintze passend ist, manchmal witzig, aber nie peinlich.
(Joachim Lange)

Alcina

Händels Alcina  sowie Theseus und Orest wurden zwischen 2001 und 2011 an der Komischen Oper Berlin in neuen deutschen Übersetzungen von Bettina Bartz und Werner Hintze gespielt.
In Halle liefen in den achtziger Jahren bereits Rinaldo und Orlando in Übersetzungen von Werner Hintze und Frank Kämpfer.